Movement Practice Zürich - A Factory of good partners
 

Unser erster Blogpost widmet sich einem der wichtigsten Metakonzepte der Movement Practice überhaupt: dem Partnering. In unseren Gruppen Sessions machen wir ganz viele Partnerübungen. Einerseits ist ein Partner immer ein Tool um ein gewünschtes Resultat zu erzielen, andererseits ist das Partnering eine eigenständige Qualität, die wir zu kultivieren suchen.

In den meisten Fällen ist bei den Partnerübungen eine klare Rollenverteilung festgelegt. Am häufigsten basieren Übungen auf dem Leader-Follower Prinzip. Dies setzt sich aus einem Rollenverhältnis zusammen, das aus einer agierenden (Leader) und einer reagierenden (Follower) Person besteht. Während der Übung initiiert der Leader, innerhalb einer festgelegten Rahmenbedingung, einen Reiz, worauf der Follower, ebenfalls unter Berücksichtigung von vielen Parametern, reagiert.

Im klassischen Verständnis ist das, was der Follower mit seiner Reaktion produziert „die Bewegung an sich”, das worauf sich die Übung überhaupt ausrichtet. Da somit die Reaktion des Followers die Existenzgrundlage der Übung bildet, liegt in der Regel mehr Aufmerksamkeit auf der Qualität der Bewegung des Followers, anstatt auf der Qualität der Reizsetzung des Leaders.

In diesem Post wollen wir jedoch die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein auf die Rolle des Leaders richten. Denn eine hochwertige Bewegung kommt meistens zustande, weil der Impuls des Leaders richtig gesetzt wurde. Was wir unter hochwertig verstehen, ist nicht eine ästhetische Bewegung, sondern eine Bewegung, die langfristig zu neuen Bewegungsmöglichkeiten führt. Dies setzt eine anspruchsvolle emphatische Fähigkeit beim Leader voraus, seinen Partner und dessen Möglichkeiten (dazu gehören auch psychologische Aspekte) richtig einzuschätzen und den Reiz auf einer produktiven Schwelle anzusetzen. Es geht darum die Toolbox, das Inventar an Bewegungsreferenzen, zu erweitern.

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Natürlich verläuft das Ganze nicht so eindimensional, wie wir das bislang dargestellt haben, im Sinne von: Leader -> Follower -> Movement. Sondern der Follower hat natürlich die Möglichkeit während der Übung seinem Partner ein Feedback zu geben. Es sollte sogar die Pflicht eines guten Partners sein, sein Gegenüber zu guten Impulsen zu leiten. Denn wenn ein Leader nie ein Feedback auf seine Rolle bekommt, entwickeln sich wahrscheinlich seine Fähigkeiten nicht weiter, was sich auf alle anderen Partner auswirkt.

Ein guter Wert bei der Ansetzung von Reizen, nach Ido Portal, ist einer, der zur Erfolgsrate von 80% führt. Die Reizsetzung sollte fast immer an der Grenze des machbaren sein, so dass man sich hineinsteigern muss um die Übung zu schaffen. Bei einer Erfolgsrate von 100% leidet der Leistungsdrang darunter, bei 20% macht sich Frustration breit. Dieser Richtwert entspricht dem, was Mihaly Csikszentmihalyi als Voraussetzung des “Flow States” beschreibt.

Flow-Theorie nach Csikszentmihalyi

Flow-Theorie nach Csikszentmihalyi

 Ein guter Leader erzeugt bei jedem Partner hochwertige Bewegungen. Ein schlechter Leader produziert nur bei fortgeschrittenen Leuten teilweise gute Bewegungen, und das nur, weil diese geübt darin sind, schlechte Impulse in leistungsfördernde Challenges zu konvertieren.

Unser Ziel ist es eine Community von guten Partnern zu schaffen. Eine die auf Vertrauen und Zuversicht basiert, eine Go-get-it Mentalität kultiviert und durch Bewegung wechselseitiges Wachstum und Empathie fördert.

von David Nyffenegger

 
david nyffenegger